• Bewilligungspraxis bei Luft-Wasser-Wärmepumpen

Bewilligungspraxis bei Luft-Wasser-Wärmepumpen

01.02.2019 THOMAS AMMANN dipl. Arch. FH Ressortleiter Energie- und Bautechnik, HEV Schweiz

Energie – Das Bewilligungsverfahren bei der Installation einer Luft-Wasser-Wärmepumpe fällt je nach Ort anders aus. Beim Lärmschutznachweis kann es aber aufwendig werden.

Der Trend beim Heizungsersatz entwickelt sich zunehmend in Richtung alternative Heizsysteme. Dabei spielt die Wärmepumpe eine entscheidende Rolle, gehört diese Heizung doch längst zum Stand der Technik, nutzt die Umweltwärme und ist, je nach verwendetem Strom, nur ein kleiner CO2-Emittent.

Luft-Wasser-Wärmepumpen (LW-WP) bilden oftmals die einfachsten und, zumindest in den Erstellungskosten, auch die günstigsten Lösungen. Eine tiefe Bohrung ins Erdreich oder die Nutzung von Grundwasser entfällt, und sie kann beinahe überall platziert werden.

Bei den LW-WP wird zwischen Innen- und Aussenaufstellung unterschieden. Innen aufgestellte Geräte beanspruchen in einem Einfamilienhaus gut zwei Kubikmeter Platz und zwei Aussenluftöffnungen. Idealerweise sind diese über zwei Gebäudeseiten verteilt.

Aussen aufgestellte Anlagen beanspruchen den Keller nicht zusätzlich. Dafür ist Sorgfalt in Bezug auf die Lärmentwicklung im Betrieb angezeigt, und die Gestaltung muss berücksichtigt werden.

Die Vorteile beider Varianten verbinden die Split-Geräte. Der Wärmeaustausch mit der Aussenluft erfolgt hier im Aussenteil. Dadurch ist nur eine kleine Maueröffnung für die Kältemittelleitung notwendig. Der meist lautere Innenteil mit Kompressor ist im Rauminnern untergebracht. Aufwendiger gestaltet sich bei dieser Variante die jährliche Prüfung der Kältemittelleitung auf Dichtigkeit. 

Für alle drei Varianten sind in der Regel – neben der Installationsanzeige – weitere Bewilligungen zur Erstellung und Inbetriebnahme nötig.

Lärmschutz

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im Aussenbereich darf gemäss Lärmschutzverordnung des Bundes (LSV) nur erstellt werden, wenn die durch den Betrieb entstehenden Lärmimmissionen die Planungswerte in der Umgebung nicht überschreiten. In einer Wohnzone müssen entsprechend tagsüber 55 / 60 dB(A) und in der Nacht 45 / 50 dB(A) eingehalten werden.

Der Verein Cercle Bruit und die Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz haben gemeinsam eine Web-Applikation «Lärmschutznachweis » entwickelt. Mit Hilfe dieser App kann ein Bauherr bereits in der Planungsphase abschätzen, welche Massnahmen zur Installation einer aussen aufgestellten Luft-Wasser- Wärmepumpe notwendig sind. Entsprechend spielen die Wahl der Anlage, der Aufstellungsort sowie mögliche Massnahmen zur Schalldämpfung und -dämmung eine Rolle (vgl. Infokasten).

Unabhängig von der bestehenden Lärmbelastung und den Planungswerten, die eingehalten werden müssen, kommt das Vorsorgeprinzip zur Anwendung. Geklärt werden muss hierbei, ob die Emissionen soweit begrenzt sind, als dies technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist. Hieraus ergibt sich ein gewisser Spielraum für die Behörden. Allerdings muss seitens Gesuchsteller nachgewiesen werden, welche Massnahmen tragbar sind.

Ortsbildschutz

In Kernzonen oder Innenstädten unterstehen einzelne Gebäude oder ganze Strassenabschnitte dem Ortsbildschutz. Solche Liegenschaften dürfen zwar umgebaut werden, der Gesamtcharakter des Ensembles muss jedoch bewahrt werden. Das kann auch Einfluss auf den Aufstellungsort von Wärmepumpen haben. So dürfen beispielsweise in einigen Quartieren der Stadt Basel keine Wärmepumpen in strassenseitigen Vorgärten aufgestellt werden. Andernorts ist dies allenfalls mit einer entsprechenden Bewilligung möglich.

Bewilligungsverfahren

Die Bewilligungsverfahren für eine neu installierte LW-WP sind so unterschiedlich wie die Regionen der Schweiz. Einzelne Gemeinden kennen ein vereinfachtes Verfahren, wenn gewisse Parameter erfüllt sind. In anderen muss immer eine Baubewilligung mit Lärmgutachten, Energienachweis und Installationsanzeige eingereicht werden, was schnell einmal 30 Seiten in Anspruch nehmen kann. Dass die Prüfung solch umfangreicher Dossiers länger dauert, liegt auf der Hand. Je nach Verfahren ziehen da schnell einmal 30 Tage bis drei Monate ins Land.

Zielkonflikte

Plant ein Hauseigentümer den Wechsel von einer fossilen oder direkt- elektrischen Heizung auf eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, ist eine längere Vorlaufzeit nötig. Das zeigt sich vor allem dann, wenn eine Heizung zu einem ungünstigen Zeitpunkt ausfällt und ersetzt werden muss. Gerade im Hinblick auf mögliche Gesetzesverschärfungen beim Heizungsersatz ist eine langfristige Planung unabdingbar.

Weitere Zielkonflikte ergeben sich mancherorts zwischen Ortsbildund Lärmschutz. Auch hier sind vorgängig Abklärungen und allenfalls zusätzliche Bewilligungsschritte nötig. Im Sinne einer zukunftsfähigen Beheizung der Gebäude ist jedoch auch seitens der Behörden ein Entgegenkommen angezeigt.

Bericht zur Bewilligungspraxis

Energie Zukunft Schweiz hat im Auftrag der Stadt Basel eine Studie zur Bewilligungspraxis von Luft-Wasser-Wärmepumpen erstellt. Darin werden die verschiedenen Hemmnisse beim Bewilligungsprozess aufgezeigt und die Bewilligungspraxis von Basel mit derjenigen von Bern, Genf, Zürich und der Gemeinde Allschwil im Kanton Baselland verglichen. Hieraus resultieren Vorschläge, wie die Bewilligungsverfahren von Luft-Wasser-Wärmepumpen vereinfacht werden könnten. Der Bericht kann unter www.ezs.ch/bewilligungspraxis  heruntergeladen werden.

WEITERE INFORMATIONEN

Die Lärmbelastung von Luft-Wasser- Wärmepumpen ist oftmals das grösste Hindernis bei der Umsetzung und Bewilligung einer solchen Heizung. Eine Hilfestellung zur Machbarkeitsabschätzung bietet der Lärmschutznachweis des Cercle Bruit und der Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz: